Manche Situationen werden erst durch die Qualität unserer Absicht schwierig.
Ein Konzert gehört viel zu oft dazu.
Musiker gehen auf die Bühne, um zu zeigen, was sie können. Oder andersrum, um sich nicht zu blamieren.
Das Konzert soll beweisen, dass sie gut genug sind. Damit verändert sich die gesamte Situation. Die Bühne wird zum Gericht mit dir als Angeklagtem. Jeder Ton scheint eine Prüfung mit Bewertung zu sein.
Die Aufmerksamkeit folgt dieser Absicht. Sie richtet sich immer weniger auf die Musik und immer mehr auf ihre Voraussetzungen. Atmung. Ansatz. Sicherheit. Kontrolle. Man spielt das Stück zwar noch, innerlich kämpft man aber längst gegen die Möglichkeit des Scheiterns.
Slavoj Žižek sagte über das Schreiben einmal:
„I’m not yet writing, I’m just putting down ideas.“
Mich interessiert an diesem Satz auch das Schreiben.
Mich interessiert aber vor allem die Haltung dahinter.
Denn wer glaubt, jetzt ein großes Buch schreiben zu müssen, trägt die Last des fertigen Werkes schon mit dem ersten Satz auf seinen Schultern. Jeder Gedanke muss brillant sein. Jeder Absatz den eigenen Ansprüchen genügen. Das Schreiben wird schwer, bevor es überhaupt begonnen hat.
Wer dagegen zunächst nur Gedanken festhält, gibt sich die Erlaubnis, etwas herauszufinden. Der Anspruch verschwindet nicht. Er kommt nur später. Erst entsteht Material. Dann ein Text.
Konzerte funktionieren genauso.
Das Problem beginnt oft mit der falschen Absicht. Wer auf die Bühne geht, um ein perfektes Konzert abzuliefern, macht aus Musik eine Prüfung. Viele Musiker haben im Konzert plötzlich Ansprüche an ihr eigenes Spiel, die sie beim Üben zu Hause nie hätten.
Dieser innere Auftrag erzeugt Druck. Der Körper reagiert darauf mit Spannung. Das nennen wir dann Auftrittsangst. Sie hat viele Ursachen. Diese gehört oft dazu.
Wer hingegen auf die Bühne geht, um eine musikalische Idee zu verfolgen, gibt der Musik ihren Platz zurück.
- Heute interessiert mich, ob ich den schwierigen Einsatz musikalisch denken kann, statt ihn technisch vorzubereiten.
- Heute interessiert mich, ob ich nach einem Fehler sofort wieder Musik machen kann.
- Heute interessiert mich, ob ich eine Phrase wirklich erzählen kann, statt sie nur richtig zu spielen.
Das Konzert wird wieder zu einem Ort, an dem du etwas über dein Spiel entdecken kannst.
Probiere einmal aus, was passiert wenn du nicht in ein Konzert gehst mit der Absicht: „Heute muss ich zeigen, wie gut ich spiele.“
Sondern: Heute interessiert mich, wie sich dieses Stück spielen lässt, wenn ich…
Der Unterschied besteht nur aus wenigen Worten.
Für den Körper ist er gewaltig.
P.S.: Ein Konzert lässt sich nicht üben. Die Situation dahinter schon. Genau dafür habe ich Konzertsimulation entwickelt. Damit du lernst, unter Druck Musik zu machen, statt vor dir selbst bestehen zu müssen.
Warum deine Höhe seit Jahren dieselbe bleibt
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die verstehen möchten,
warum Höhe meist nicht an Kraft scheitert.
Hinweis: Hintergrund des Titelbildes mit KI erstellt.





