Was ich an der letzten Stelle mitgeübt habe

Beim ersten Satz von Hummel konnte ich das ganze Stück spielen. Nur die letzte Stelle nicht. Danach konnte ich wieder von vorn anfangen und noch einmal durchspielen. Wieder ging die letzte Stelle nicht. Ich war platt. Dass ich unmittelbar danach genug Kraft für einen weiteren Durchgang hatte, passte allerdings nicht so recht dazu. Oder vielleicht doch?

Irgendwann erwartete ich an dieser Stelle schon, dass es wieder nicht geht. Die Töne kamen näher, und das Gefühl war bereits da. Ich hatte die Passage oft genug in genau diesem Zustand erlebt. So wurde aus einer Schwierigkeit beim Spielen auch eine Erwartung an mein eigenes Spielen. Die gehörte inzwischen irgendwie dazu, wenn ich mich dieser Stelle näherte.

Verändert hat sich das erst, als ich mein Üben anders organisiert habe.

Ich begann mit der letzten Stelle, solange ich frisch war. Dann nahm ich ein paar Takte davor dazu. Entscheidend war für mich, beim letzten Ton gut anzukommen. Damit bekam ich Gelegenheit, dieselben Töne anders zu erleben. Ich konnte sie spielen. Und ich konnte auch mit etwas mehr Musik davor noch gut dort ankommen. Erst dann hat der Kopf wieder mitgemacht.

Seitdem bin ich sorgfältiger damit, in welchem Zustand ich Musikstücke übe. Mein Ausdauertraining mache ich mit Töne-Aushalten oder durch Muskeltraining.

Bei einem Stück möchte ich möglichst frisch sein. Oder wenigstens brauchbar frisch. Ich will vermeiden, dass das Gefühl des Plattseins zu einem vertrauten Bestandteil einer bestimmten Passage wird.

An dieser Erfahrung beschäftigt mich bis heute, wie eng mein Üben und meine Erwartungen zusammenhängen. Ich hatte mich mit der Frage beschäftigt, ob meine Kraft bis zum Schluss reicht. Dabei hatte ich kaum beachtet, dass ich diesen Schluss jedes Mal unter denselben ungünstigen Bedingungen spielte.

Für mein nächstes Üben war deshalb entscheidend, wo ich anfing. Die letzte Stelle einmal zuerst zu spielen, gab mir eine Erfahrung zurück, die beim ständigen Durchspielen kaum noch vorkam: Ich kam beim letzten Ton gut an.

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