Du drückst etwas fester, strengst dich an, und irgendwie kommt das hohe A.
Na bitte. Geht doch! Beim nächsten Versuch machst du es wieder so. Warum auch nicht? Es hat ja funktioniert.
Nur: Musstest du dafür wirklich so fest drücken?
Das weißt du noch gar nicht. Vielleicht war einiges von dem, was du gemacht hast, überflüssig. Die hochgezogene Schulter zum Beispiel. Oder ein Teil des Drucks aufs Mundstück. Der Ton kam trotzdem, und du verbuchst den ganzen Versuch als Erfolg.
So kannst du dir mit jedem gelungenen Ton etwas angewöhnen, das dir das Spielen auf Dauer schwer macht. Irgendwann gehört die Anstrengung für dich zur Höhe dazu. Du denkst nicht mehr darüber nach. Sobald es hoch wird, machst du eben mehr.
Das finde ich am Lernen interessant:
Ein Erfolg bestätigt uns leicht in allem, was wir dabei getan haben.
Dabei wissen wir oft gar nicht, was zum Gelingen beigetragen hat und was nur zufällig dabei war. Beim Trompetenspielen hörst du den Ton und denkst: So geht es also. Ob es auch leichter ginge, hast du nicht ausprobiert.
Später sagt dir jemand, du sollst weniger drücken. Das leuchtet dir ein, und du nimmst es dir vor. Aber beim nächsten hohen Ton ist der Druck wieder da. Du hast schließlich oft genug erlebt, dass es so geht. Für eine andere Spielweise fehlt dir noch diese Erfahrung.
Deshalb reicht mir im Unterricht und meinen Kursen der Hinweis „Du machst zu viel“ nicht aus. Ich möchte, dass du selbst bemerkst, was du machst. Und dass du etwas zum Vergleichen hast.
Dafür nutze ich unter anderem „Luft und Greifen“. Du singst eine Tonfolge innerlich, bläst dazu frei Luft und greifst die Töne. Dann spielst du dieselbe Folge auf der Trompete und wechselst ein paar Mal hin und her. Vielleicht fällt dir dabei auf, dass du beim Spielen ab einem bestimmten Ton eng wirst. Beim freien Blasen hast du das noch nicht gemacht.
Damit hast du eine konkrete Stelle, mit der du dich beschäftigen kannst. Du musst nicht mehr versuchen, irgendwie insgesamt lockerer zu werden. Du kannst hören und spüren, was sich verändert.
Einmal freier zu spielen wird eine alte Gewohnheit kaum beseitigen. Aber du hast erlebt, dass es anders gehen kann. Darauf kannst du beim Üben zurückkommen und diese Erfahrung wiederholen.
Wenn der hohe Ton dann kommt, lohnt sich neben der Freude eine zweite Frage: Wie leicht ging er diesmal?
Dein nächster Schritt
Wenn dir diese Sichtweise weiterhilft, bringt dich noch ein einzelner Artikel kaum dauerhaft weiter. Entscheidend ist, wie sich dieses Verständnis Schritt für Schritt in deinem eigenen Spiel entwickelt.
Im Trompeten FokusTraining erhältst du jeden Monat einen klaren Schwerpunkt mit einer ausgewählten Übung, Video und PDF. Kein Sammeln immer neuer Übungen, sondern ein roter Faden für eine verlässlichere technische und musikalische Entwicklung.





