Die kleine Veränderung

Ich habe früher Übungen durchgezogen. Von der ersten bis zur letzten Zeile. Wurde es schlechter, spielte ich weiter. Schließlich war Hartnäckigkeit etwas Gutes. Und grundsätzlich ist sie das auch. Nur sagt Hartnäckigkeit noch nichts darüber aus, ob man gerade etwas lernt.

Vielleicht liegt darin eine der Schwierigkeiten beim Üben: „Beschäftigt sein“ ist sehr leicht mit Lernen zu verwechseln. Man hat eine Stunde gespielt, eine Etüde beendet, Tonleitern gemacht und genügend Wiederholungen gesammelt. Das alles kann sinnvoll sein. Trotzdem bleibt die entscheidende Frage offen: Was hat sich währenddessen verändert?

Beim Lernen am Instrument geht es häufig um feine und feinste Unterschiede. Eine Bewegung wird etwas besser koordiniert. Eine Tonverbindung ein wenig sauberer. Man bemerkt eine Spannung, die vorher so selbstverständlich zum eigenen Spiel gehörte, dass man sie überhaupt nicht als Spannung erkannt hat.

Dafür braucht man Wahrnehmung. Und Wahrnehmung braucht Aufmerksamkeit.

Das verändert auch die Bedeutung einer Übung. Sie ist dann nicht mehr nur eine festgelegte Folge von Tönen, die korrekt ausgeführt werden muss. Sie wird zu einer Situation, in der ich etwas über mein eigenes Spielen herausfinden kann.

Damit wird Üben allerdings anspruchsvoller. Denn ich kann mich nicht mehr einfach darauf verlassen, fleißig gewesen zu sein. Ich muss innehalten, eine Absicht formulieren, spielen, wahrnehmen und anschließend entscheiden, ob sich etwas in die gewünschte Richtung bewegt hat.

Und häufig lautet die Antwort nicht: Jetzt kann ich es.

Sondern: Das war gerade ein wenig leichter.

Diese kleine Veränderung ernst zu nehmen, ist vielleicht eine der schwierigsten Fähigkeiten beim Lernen. Man wäre gerne schon woanders. Stattdessen bekommt man einen Minischritt.

Aber genau dort findet Lernen statt: nicht in dem Zustand, den wir irgendwann erreichen möchten, sondern in der Veränderung, die wir gerade tatsächlich wahrnehmen können.

Schau dir gerne mein Video dazu an.

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