Warum Wiederholung nicht reicht – richtig üben

Wiederholung allein macht dich nicht automatisch besser. Sie stabilisiert vor allem das, was du tatsächlich wiederholst – hilfreiche Bewegungen ebenso wie ungünstige Gewohnheiten. Richtig üben bedeutet deshalb, die Qualität der Wiederholung zu verbessern, statt nur ihre Anzahl zu erhöhen.

Videopräsentation „Effektiv üben“

Meine Sicht darauf

Viele Trompeter kennen das beruhigende Gefühl, viel geübt zu haben. Eine Stunde. Zwei Stunden. Alle Übungen erledigt.

Und einige Wochen später fühlt sich das Spiel trotzdem kaum anders an.

Der Grund liegt vielleicht in einem Missverständnis:

  • Übung macht nicht automatisch besser.
  • Übung stabilisiert das, was wiederholt wird.

Entsteht bei jeder Wiederholung dieselbe unnötige Spannung, wird genau diese Spannung ungewollt verinnerlicht. Beginnt vor jeder hohen Stelle dieselbe innere Anspannung, werden auch Stress und Zweifel mit eingeübt.

Deshalb beginnt Verbesserung mit Klarheit und Wahrnehmung.

Erst wer Unterschiede bemerkt, kann sein Spiel verändern. Übungen sind deshalb für mich vor allem Feedback. Sie zeigen, wie Luft, Lippen, Zunge, Körper und Instrument in diesem Moment zusammenarbeiten. Aus dieser Rückmeldung entstehen kleine Veränderungen. Und aus vielen kleinen Veränderungen entsteht Lernen.

Fehler gehören dazu. Sie sind keine Störung, sondern Information. Sie zeigen, unter welchen Bedingungen das Zusammenspiel noch nicht zuverlässig funktioniert.

Deshalb interessiert mich beim Üben nicht nur, ob ein Ton gelungen ist. Mich interessiert, wie er entstanden ist.

Denn Wiederholung allein verändert keine Fähigkeit. Entscheidend ist die Qualität der Wiederholung.

Typische Fehlinterpretationen

Je mehr Wiederholungen, desto größer der Fortschritt.
Wiederholung stabilisiert das aktuell ausgeführte Muster. Ohne bewusste Beobachtung kann deshalb auch eine ungünstige Spielweise immer ’sicherer‘ werden.

Fehler sollten möglichst vermieden werden.
Fehler liefern wichtige Informationen darüber, wie das eigene Spiel im Moment organisiert ist. Entscheidend ist, sie wahrzunehmen und daraus sinnvolle Veränderungen abzuleiten.

Eine gute Übung funktioniert automatisch.
Keine Übung wirkt unabhängig davon, wie sie ausgeführt wird. Ihr Wert liegt vor allem darin, welche Rückmeldungen sie ermöglicht und welche Veränderungen sie unterstützt.

Richtig üben bedeutet, sich ständig zu kontrollieren.
Dauernde Selbstkontrolle kann selbst zum Hindernis werden. Wahrnehmung bedeutet nicht, jede Bewegung bewusst zu steuern, sondern Unterschiede zu bemerken und daraus zu lernen.

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