Ich frage neue Schüler immer, wo ihre Grenze liegt. Alle können mir sofort „ihren“ Ton nennen. Das a2 beispielsweise.
Darüber wird es unsicher, Glücksache oder es kommt grundsätzlich kein höherer Ton.
Und diese Grenze bleibt dieselbe: seit Jahren, manchmal seit Jahrzehnten.
Und es wurde scheinbar alles probiert: neue Methoden, neue Lehrer, neues Mundstück. Mehr Luft. Weniger Druck. Stütze. Ansatz. Und mehr.
Und so gut wie jeder kennt diesen einen Moment, wo es plötzlich besser geht und man innerlich jubelt:
„Jetzt hab ich’s!“
Einige Wochen später ist der Jubel längst in Enttäuschung umgeschlagen und das Spiel beginnt von neuem.
Jetzt könnte man sagen, dass das halt so ist, dass man verschiedenes probieren muss, bis es Klick macht. Das Problem, das ich immer wieder sehe ist, dass sich auf dieser Suche etwas entscheidendes verändert:
Die Sicht auf sich selbst!
Aus eine Beschreibung: „Ich komme nur bis zum a2“
wird schleichend eine Identität: „Ich bin eben kein Hochtonbläser.“
Das fühlt sich vernünftig an und ist auf eine Art auch bequem. Wer nichts mehr erwartet, wird auch nicht mehr enttäuscht. Ich kann das sehr gut aus eingener Erfahrung nachvollziehen und habe jedes Verständnis dafür.
Und: wenn der Glaube an die Möglichkeit von Entwicklung erloschen ist, zementiert man mit jedem Üben eben jene Grenze, die man einst knacken wollte.
Die Frage, wie doch noch ein Ton dazukommen könnte, interessiert mich deshalb erst mal gar nicht.
Mich interessiert, wie es kommt, dass jemand eine Grenze für unveränderlich hält.
Und wie man diesen „Glauben“ verändern kann.
Die nächste Übung interessiert mich deshalb zunächst nur am Rande. Wichtiger ist nämlich:
Wie kann jemand die Erfahrung machen, dass es leichter gehen kann.
Wie kann jemand nach einiger Zeit des Übens „zufällig“ doch mal einen Ton höher spielen.
Denn er braucht Beweise, dass es geht. Und die wollen klug organisiert sein. Immer wieder.
Deshalb interessiert mich Höhe eigentlich gar nicht besonders.
Mich interessiert der Moment, in dem ein Trompeter aufhört, seine bisherigen Erfahrungen mit seinen Möglichkeiten zu verwechseln.
Denn erst dann können all die tollen Methoden beginnen, zu funktionieren.
PS. Vielleicht besteht der erste Schritt zu mehr Höhe nicht darin, einen höheren Ton zu suchen.
Sondern die Organisation zu erkennen, die den bisherigen Ton zur Grenze gemacht hat.
Genau darum geht es im Kurs Verlässliche Höhe.





